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Zähneknirschen in der Nacht: Was hilft?

Weshalb einige Menschen im Schlaf mit den Zähnen mahlen und wie man sein Gebiss schützen kann
von Sophie Kelm und Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.11.2016

80 Prozent der Knirscher sind Frauen zwischen 30 und 45 Jahren

iStock/Steve Coleccs

Knirschen, beißen, mahlen. Manche Menschen machen im Nachtschlaf beunruhigende Geräusche mit ihrem Gebiss. Das Phänomen heißt Schlafbruxismus. Dr. Sebastian Ziller, Abteilungsleiter für Prävention und Gesundheitsförderung der Bundeszahnärztekammer, erläutert die Ursachen.

Herr Ziller, warum knirschen so viele Menschen mit den Zähnen?

Zähneknirschen – in der Fachsprache Bruxismus genannt – kann viele Ursachen haben. Zum Teil sind schlecht sitzende Füllungen, Kronen, Brücken oder Prothesen verantwortlich. Es kann auch eine kieferorthopädische Fehlstellung vorliegen. Doch das ist meist nicht der einzige Grund.

Verdrängte Aggressionen, Ärger und Sorgen, Trauer, Enttäuschung und jede Art von permanentem Stress können das nächtliche Zähnepressen und -knirschen begünstigen. Auch Alkoholeinfluss und Medikamente, etwa einzelne Psychopharmaka, außerdem Drogen wie Ecstasy spielen mitunter eine Rolle.

Ständig "den Mund halten müssen" und alles "hinunterschlucken" – kurz: Druck am Arbeitsplatz und Belastungen im Privatleben – das alles kann es aber auch mit sich bringen, dass Betroffene sogar tagsüber zum Aufeinanderpressen der Ober- und Unterkiefer neigen. Dann spricht man von Wachbruxismus. Anders als der Schlafbruxismus wird er von den Betroffenen bemerkt, sie können ihn unterbrechen.

Bei nächtlichem, unbewusstem Knirschen kann auch die Schlafsteuerung durch das Gehirn verändert sein. Schlafforscher sprechen von schlafbezogenen Bewegungsstörungen, zu denen unter anderem manche Arten von Schnarchen gehören.

Sind mehr Frauen als Männer betroffen?

Mindestens ein Drittel aller Erwachsenen knirscht im Laufe des Lebens zeitweise mit den Zähnen. Etwa zehn bis 15 Prozent der Betroffenen entwickeln ein Krankheitsbild mit Schäden am Kauapparat. Vor allem Frauen zwischen 30 und 45 Jahren mahlen nachts unbewusst mit den Zähnen. Sie machen rund 80 Prozent aller Knirscher aus.

Woran erkennt der Zahnarzt das Knirschen?

Der Zahnarzt inspiziert die Mundhöhle und tastet die Kaumuskulatur ab. Manchmal ist das Höckerrelief der Zähne bereits abgeflacht und der Zahnschmelz abgeschliffen, es entstehen sogenannte Schliff-Facetten. Wie das Knirschen kann auch das Aufeinanderpressen der Zähne zu feinen Rissen im Zahnschmelz führen. Zusätzlich können die Kaumuskeln weh tun. Sie werden größer und verhärten. Die Zähne sind überempfindlich. Auch die Kiefergelenke sind durch das Knirschen und Pressen häufig in Mitleidenschaft gezogen. Dies kann der Zahnarzt durch Abtasten der Wangenmuskulatur und des Kiefergelenks diagnostizieren. In ausgeprägten Fällen zeigen sich Schäden am Zahnfleisch und Zahnhalteapparat.

Bei anhaltenden Schmerzen im Kieferbereich und größeren Störungen wie etwa Einschränkungen der Mundöffnung sind vertiefende Untersuchungen notwendig.

Kann ich selbst feststellen, ob ich Knirscher bin?

Die Kaumuskeln können schmerzen, besonders morgens nach dem Aufwachen. Sie verhärten. Manchmal knackt der Kiefer, wenn man den Mund öffnet und schließt. Wer sich unsicher ist, ob er ein Knirscher ist, sollte morgens die Muskulatur an der Wange zum Kiefergelenk hin abtasten. Ist sie verspannt oder verhärtet? Auch die Kiefergelenke sind durch das Knirschen und Pressen häufig in Mitleidenschaft gezogen und können Schmerzen bereiten. Gleiches gilt dür die Zähne. Außerdem: Fragen Sie doch einfach mal Ihren Partner, ob er sie im Schlaf knirschen hört.

Wie hilft der Zahnarzt?

Das Mittel der Wahl ist eine vom Zahnarzt individuell angepasste Aufbiss- oder Knirscherschiene aus Kunststoff. Damit werden die Zahnreihen auf Abstand gehalten und vor weiterem Schaden bewahrt. Die Schiene entlastet die Muskulatur. Allerdings ist das eine akute Symptomtherapie, die Wurzel des Übels nicht behebt. Sie verbessert auch eine eventuelle Fehlstellung des Gebisses (Okklusionsstörung) nicht.

Wichtig: Grundsätzlich gehören Aufbissbehelfe und Schienen zur vertragszahnärztlichen Versorgung. Sie bedürfen jedoch im Regelfall der Zustimmung der Krankenkasse, bevor mit der Behandlung begonnen werden kann.

Zur längerfristigen Behandlung kommen sogenannte adjustierte Aufbiss- oder Okklusionsschienen zum Einsatz. Sie nehmen auf die ganz individuelle Fehlbiss-Stellung der Kiefer Einfluss und können auch dadurch bedingte Schmerzen beheben. Je nach therapeutischer Zielsetzung gibt es unterschiedliche Modelle.

Was die Kostenfrage betrifft: Hier handelt es sich um eine Kombination aus Kassen- und Eigenleistung für gesetzlich krankenversicherte Patienten. Die klinisch notwendige und sehr aufwendige Funktionsanalyse ist beispielsweise eine reine Privatleistung, die der Zahnarzt nicht über die gesetzliche Krankenversicherung abrechnen kann. Dafür wird mit Kassenpatienten in der Regel eine private Behandlungsvereinbarung in Form eines privaten Kostenvoranschlages getroffen werden.

Manchmal sind im Übrigen weitere Korrekturmaßnahmen notwendig, die individuell mit dem Zahnarzt besprochen werden müssen.

Was tut sonst noch gut?

Wärme, Massagen und gymnastische Übungen helfen, die verspannten Kiefermuskeln zu lockern. Außerdem sollte man auch tagsüber immer wieder die eigene Kieferstellung prüfen: Normalerweise sollten die Zähne nur beim Essen und Schlucken miteinander Kontakt haben. Auch sogenanntes Biofeedback kann eventuell helfen, die übermäßige Kaumuskelanspannung zu unterbrechen.

Wie oft muss man die Kunststoffschiene wechseln?

Das hängt von der individuellen Situation ab: Handelt es sich um einfache Aufbissbehelfe zur muskulären Entspannung oder um adjustierte Schienen mit einem therapeutischem Ziel? Bei starken Knirschern kann eine Neuanfertigung nach acht bis zwölf Wochen nötig sein, bei anderen hält die Schiene zwei Jahre oder länger.

Wie reinigt man die Schiene?

Gesäubert wird die Schiene, die nachts getragen wird, morgens nach dem Aufstehen mit Wasser, Zahnbürste und Zahnpasta.

Hört das Knirschen irgendwann auf?

Wenn konkrete Ursachen erkannt und beseitigt sind, sollte das Knirschen auch aufhören. Vielen Betroffenen helfen in bestimmten Phasen Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson.

Manchmal begleitet der Bruxismus einen Menschen länger oder kommt wieder zum Vorschein. Auch wenn es teilweise kontrovers diskutiert wird: Sich verdrängten Emotionen zu stellen, kann hier ein Ansatzpunkt sein: Wie komme ich mit Aggressionen klar? Kann ich traurig sein, wenn es mir schlecht geht? Psychotherapien, die den Umgang mit komplexeren Belastungssituationen optimieren helfen, dauern unterschiedlich lange. Moderne Verhaltenstherapien zum Beispiel können aber sehr gezielt auf ein Problem fokussieren.

Unser Experte:

BZÄK/Pietschmann

Dr. Sebastian Ziller, Abteilungsleiter für Prävention und Gesundheitsförderung der Bundeszahnärztekammer

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Bildnachweis: iStock/Steve Coleccs, BZÄK/Pietschmann, Your Photo Today/A1PIX

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